WAS IST DIE GOLDSPIRALE?

Seit zwei Jahren verhüte ich nun mit der sogenannten Goldspirale. Eine hormonfreie Verhütungsmethode, von der ich absolut begeistert bin. Warum und wieso erkläre ich dir gerne – denn wenn man verhüten möchte, und dies über eine längere Zeit, ist die Kupfer- oder Goldspirale eine sehr angenehme Lösung.

Als ich 23 Jahre alt war setzte mir meine Frauenärztin eine sogenannte Goldspirale ein. Dabei wird kleines, T-förmiges Objekt, dass einen Kupferkern hat und mit Gold überzogen ist, fachmännisch in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Am Ende dieses kleinen Wunderwerks ist im meinem Fall ein blaues Bändelchen, das ich auch selbst ertasten kann, um zu sehen, ob die Spirale noch an Ort und Stelle ist. Während dem Sex oder auch bei sonstigen Aktivitäten spürst weder du noch dein Partner die Spirale. 

Kostenpunkt: Um die 500 CHF, inklusive Nachkontrolle und Beratung.
Der Unterschied zwischen einer Kupferspirale und einer Goldspirale ist eigentlich nur, dass die Goldspirale weniger einwachsen sollte und zusätzlich durch das Gold noch eine gewisse entzündungshemmende Wirkung hat. Es ist übrigens auch eine relativ sichere Verhütungsmethode – mit einem Sicherheitsbewertung von 0,4-0,7 laut Pearl-Index. (Zum Vergleich, die normale Pille liegt bei 0,1 – 0,9.)
Ausserdem ist die Spirale bei der normaler Tragedauer von 3 bis 5 Jahren im Endeffekt sogar noch günstiger, als die Pille, die ich vorher täglich einnahm.

Das Einsetzen selbst ging ganz schnell – nur mit den Bauchkrämpfen, die ich unmittelbar danach verspürte, hatte wohl keiner gerechnet. Ich, mit meinem sowieso niedrigen Blutdruck, klappte der Frauenärztin noch auf dem Stuhl beinahe zusammen. Glücklicherweise konnte mich meine Mutter zufälligerweise abholen – denn selber Auto zu fahren konnte ich in meinem Zustand streichen.
Im Nachhinein wurde ich aufgeklärt. In extrem seltenen Fällen kann das Spirale setzen lassen heftige Krämpfe auslösen. Und zwar egal, welche Spirale du dir einsetzen lässt. Die Krämpfe vergingen jedoch nach ein paar Stunden und ich kann dir eines sagen: Ich würde es jederzeit wieder tun. Denn das ist es mehr als wert. Und dafür habe ich triftige Gründe.

Warum man hormonfreie verhütung in betracht ziehen sollte

Wie beinahe jeder Frau, die das erste Mal mit Verhütung in Kontakt kommt, empfahl mir meine Frauenärztin damals als ich 16 Jahre alt war die Verhütungspille. Ich war froh, dass ich die ganze Verhütungssache so easy handeln konnte. Ausserdem sollte es gegen meine heftigen Bauchkrämpfe helfen, die ich seit Anbeginn meiner Menstruation erleiden musste. Tat es auch und ich war sehr froh darüber. Was mir aber erst Jahre später bewusst wurde ist, dass die Pille viele schleichende Nebenwirkungen in meinem Körper auslöste. Dinge, die schlussendlich meine Lebensqualität massiv beeinflussten.

Nach und nach verschwand meine Lust auf Sex, was sich auf meine Partnerschaft auswirkte. Ich schob das aber nicht auf die Pille, sondern auf die Chemie zwischen meinem ersten Partner und mir. Ich dachte, es stimmt einfach nicht, und der Sex wurde immer mehr zum Problem, aufgrund meiner ständigen Lustlosigkeit.
Jahrelang fühle ich mich ständig müde – auch das schob ich nicht auf die Pille, sondern ich dachte, dies seien Nachwirkungen einer Krankheit, die ich in meinen Jugendjahren hatte.
Manchmal gab es längere Zeiträume, in denen ich mich fühlte, als würde ich quasi in Watte gepackt durch mein Leben gehen, es fühlte sich an als wär ich einfach irgendwie diesem Leben müde. Und das obwohl ich schon seit meiner Kindheit eigentlich voll der kleine Sonnenschein war! So im Nachhinein kann ich sagen: Es fühlte sich an, als hätte jemand meine Glühbirne mit einem modrigen Stofflappen bedeckt.
Aber trotz all den Veränderungen die ich bemerkte, kam ich nicht auf die Idee, dass dies wirklich von der Pille ausgelöst werden könnte – denn die Pille die ich jahrelang nahm, war sehr niedrig dosiert.

Die Pille zu nehmen fühlt sich an, als würde man die eigene, strahlende Glühbirne mit einem modrigen Stofflappen bedecken.

Erst im Alter von 22 Jahren, als ich mich selber etwas mehr gefunden hatte, drückte sich bei mir die Liebe zum Natürlichen durch. Wenn ich irgendwie konnte, versuchte ich es zu umgehen, dass ich meinen Körper mit Chemie vollpumpte. Anstelle von Kopfschmerztabletten nutze ich zum Beispiel ein Öl, das aus der chinesischen Heilkunde kam. Und irgendwann ging mir das Licht auf – die Pille zwar zur Gewohnheit worden, aber hey, auch da nehme ich täglich Chemie zu mir!

Und so wuchs der Wunsch nach einer hormonfreien Verhütung.

Nun, fast zwei Jahre später kann ich aus tiefster Inbrunst sagen: Es war das Beste was ich machen konnte. Trotz der heftigen Krämpfe nach dem Einsetzen und trotz der Tatsache, dass ich bei gewissen Menstruationszyklen manchmal wieder meine regulären Krämpfe habe. Ich würde es jederzeit wieder tun.
Denn was mir die Goldspirale gibt ist so viel mehr! Ich fühle mich endlich wieder lebendig, meine Lust ist wieder da (und das auch in einer längeren Partnerschaft) und ich fühle mich wieder kraftvoll und bin leistungsfähiger. Ob nun bei meiner Arbeit, in meiner Kreativität oder einfach ganz allgemein – Die Lebensfreude ist wieder da!

Ich spüre meinen Körper wieder so wie ich sollte und bin mir meiner Weiblichkeit voll bewusst. Ausserdem muss ich nun nicht mehr täglich an die Verhütung denken, sondern kann die Spirale einfach liegen lassen und zur jährlichen Untersuchung, die die Spirale mit sich bringt, muss ich ja so oder so.

In den ersten paar Monaten nach dem Einsetzen hatte ich nach dem Sex jeweils leichte Blutungen, doch auch das pendelte sich ein. Denn der Körper braucht ja auch eine gewisse Zeit, bis er die Hormone vollständig aus dem Kreislauf geschafft hat. Und meine Frauenärztin meinte, dass sei etwas, das öfters vorkomme und kein Grund zur Sorge sei.

Was auch ein Fakt ist: Nicht jede Frauenärztin ist ein Fan der Spirale – denn im Endeffekt heisst das für sie ja auch weniger Umsatz. Und nein, ich behaupte das nicht einfach so, denn ich habe Stories von anderen Frauen gehört, die einen regelrechten Spiessrutenlauf hatten bis sie die Spirale „haben durften“. Frauenärzte sind eben auch nur Menschen. Und das sogar in der fortschrittlichen Schweiz.
Ausserdem ist die veraltete Meinung, dass die Spirale nur für Frauen was ist, die bereits Kinder haben, leider immer noch im Umlauf – gerade wenn es ein Land ist, bei dem auf die stetige Weiterbildung der Ärzte nicht immer so viel Wert gelegt wird. In Portugal zum Beispiel war die Frauenärztin regelrecht verwundert als ich meine jährliche Kontrolle hatte – stellt euch vor, sie hatte noch nie von einer Goldspirale gehört!

So oder so, seid euch bewusst – ich erzähle hier nur von meiner ganz persönlichen Erfahrung. Ich denke, bei jeder einzelnen Frau kann das ja anders wirken. Aber ich für meinen Teil bin so unglaublich dankbar für die Option zur hormonfreien Verhütung.
Und könnte ich meinem achtzehnjährigen Ich einen Rat geben, dann würde ich ihr sagen: Schau, dass du die Pille so schnell wie möglich los wirst. Aber verhüte trotzdem sicher – mit Spirale und Kondom.

With love, Anna

PS: Falls du noch mehr Infos brauchst, ich habe die GoldLuna eingesetzt. Den Link dazu findest du hier.

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