Willkommen zum Gedankentanken mit Anna. Ich möchte dir einen kleinen Denkanstoss geben. Denn neulich wurde ich gefragt, mit wie vielen Männern ich schon im Bett war. Also, spitz die Ohren, jetzt kommts.

Ich zitiere aus dem Duden:

Schlam·pe
/ˈʃlampə,Schlámpe/
Substantiv, feminin [die]

Vor über hundert Jahren wurde das Wort Schlampe erstmal im Zusammenhang mit „unsittlichen oder anrüchigen Frauen“ in Verbindung gebracht. Heute ersetzt das Wort normalerweise das veraltete Wort „Flittchen“ – aber auch das Flittchen ist generell weiblich. Eine Flittchen ist laut Duden eine Frau, die in anstößig-verwerflicher Weise schnell sexuelle Beziehungen zu Männern eingeht.

An dieser Stelle hab ich mich übrigens bereits fast verschluckt. Wo zur Hölle liegt die „Geschwindigkeitsbegrenzung“ für eine Frau, mit einem Mann ins Bett zu steigen? Und wer bestimmt nochmal, mit wie vielen Männern man als Frau sexuelle Beziehungen eingehen darf?

Ich warte nicht bis zum dritten date, um mit einem mann in die kiste zu steigen. Aber deswegen bin ich noch lange keine schlampe.

Ein Mann wird schliesslich auch nicht dafür verurteilt, wenn er vor dem dritten date mit der frau im bett landet.

Anna

Abgesehen davon Mädels, fällt euch beim Wort „Schlampe“ was auf? Ist euch ein männliches Pendant dazu geläufig?

Nein? Mir auch nicht.

Willkommen im 21igsten Jahrhundert – wo männliche Schlampen nicht existieren und wir Frauen nach wie vor für unsere sexuellen Kontakte verurteilt werden.

Und dass diese äussert suspekte und frauenfeindliche Regel tatsächlich existiert merken wir an folgender Tatsache: Wenn uns Frauen ein Mann fragt, mit wie vielen Männern wir schon im Bett waren, dann ist der erste Gedanke doch: Soll ich die richtige Anzahl nennen?
Denn ist die Anzahl zu gross, werden wir in die Schublade „Schlampe“ gesteckt. Ist die Anzahl zu klein, werden wir als prüde bezeichnet.

Die Männer hingegen mogeln bei der Anzahl an Bettpartnerinnen gerne mal die eine oder andere hinzu – bei den Männern zählt nämlich nur, dass sie erfahren wirken wollen.

Ich kann sogar noch weiter ausholen: Wenn ein Mann und eine Frau einen One-Night-Stand haben, dann gibts für den Mann am nächsten Tag vor allem eines: Ein dickes, fettes „High Five“ von seinen Freunden. Die Frau jedoch fühlt sich direkt am nächsten Tag schmutzig. Und erzählen tut sie’s wenn dann ihrer besten Freundin – denn es gehört sich schliesslich nicht. Sie will ja nicht als Schlampe bezeichnet werden.

Ich finde, das ist absolut nicht in Ordnung. Es kann doch nicht sein, dass in unserer modernen Welt die Sexualität des Mannes als Selbstverständlich angesehen wird, während die Sexualität von uns Frauen als verwerflich betitelt wird?

Ein persönlicher Fakt: Ich hatte einmal in meinem Leben eine Situation, dass ich an einem Tag mit dem einen Typen im Bett landete und am nächsten Tag mit einem anderen Typen.
Willst du wissen, wie ich mich danach gefühlt habe?
Beschissen. Dreckig. Schmutzig. Schlampig.

Und genau an diesem Punkt ist mir aufgefallen, wie verkehrt das eigentlich ist. Wie viele Männer gehen ins Bordell, wenn sie Single sind? Einmal, zweimal die Woche? Und kann mir keiner erzählen, dass er da immer die gleiche Frau vögelt. Und von einem Reuegefühl oder einem „Sich-schmutzig-fühlen“ kann wohl kein Mann ernsthaft berichten. Er bezahlt ja sogar dafür.

Aber ich schweife ab. Wichtig ist doch nur eines:

Ich will mich nicht schmutzig fühlen müssen, wenn ich meine Sexualität in vollen Zügen auslebe.

Anna

Wenn ich verdammt nochmal mit einem Mann in die Kiste steige, dann will ich am nächsten Tag von meinen Freundinnen auch ein High-five. Ich will mich nicht schmutzig fühlen müssen, wenn ich meine Sexualität in vollen Zügen auslebe.

Ich will als Frau genau gleich wie die Männer mich selbst entdecken dürfen. Ich will die Anzahl meiner Bettpartner nicht unter den Tisch kehren müssen, nur weil die Gesellschaft in völlig veralteten, frauenfeindliche Strukturen lebt. 

Ich möchte meine sexuellen Grenzen nicht von einer konservativen Ansicht auferlegt bekommen.

Ich möchte einfach nur Frau sein. Und Sex haben, soviel und mit wem ich will. Und ich denke, so geht es vielen Frauen da draussen.

Das Problem ist nur: Es ist Tabu, darüber zu sprechen. Es ist Tabu, als Frau die Anzahl der Bettpartner zu nennen. Es ist irgendwie Tabu, als Frau die Sexualität auszuleben. 



Und das sollten wir ändern. Alle gemeinsam.

Findest du nicht?

With Love, Anna

This Post Has 2 Comments

  1. Fuckboy ist das Wort was du gesucht hast. Die männliche „Schlampe“!
    Wobei ich finde dass das ganze Theater eh völlig übertrieben ist. Solange du volljährig bist, schaust das du verhütetest und im vollen Besitz deiner geistigen Kräfte bist, sollte egal wer ob Mann oder Frau nur für sich alleine entscheiden dürfen mit wem wann und wie oft er mit jemandem Sex hat, ohne das die Gesellschaft ständig meint urteilen zu dürfen.

    1. Ganz meine Meinung – Danke für deinen Beitrag!

      Das Wort „Fuckboy“ ist mir tatsächlich nicht geläufig – aber anyway sollte es weder das eine noch das andere geben. Ist ja keine Schande, seine eigenen Triebe oder Gelüste auszuleben – wo bleibt denn da sonst die Freiheit?

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