„Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism“ – kurz BDSM. Spätestens seit Fifty Shades of Grey kennt beinahe jeder den Begriff. Doch wie fühlt es sich denn nun wirklich an? Worauf würde ich achten, wenn ich wie du einfach mal etwas neugierig wäre? Schlummert in dir vielleicht auch eine kleine Neigung dazu, die du einfach noch nicht entdeckt hast?  

Heute möchte ich dich mitnehmen auf eine gefühlsmässige Reise. Ein ehrlicher und echter Erfahrungsbericht einer leichten Form von BDSM – meine ganz persönliche Erfahrung, bei anderen läuft das vielleicht total anders ab. Aber dieser Bericht ist perfekt für neugierige Nasen und Einsteiger. 

Zuerst mal eine kleine Begriffserklärung für Neulinge: Der Dom, auch Top genannt ist derjenige, der die Kontrolle hat. Derjenige, der dich durch das gesamte Spiel führt. Der dominante Part, der Schmerzen zufügt oder fesselt. Die Sub, auch Bottom genannt ist diejenige, die empfängt. Die sich führen lässt, die Kontrolle abgibt, sich fesseln lässt oder sich den Schmerz empfängt.

Lass mich vorneweg etwas klarstellen: Über die Jahre sind mir einige Männer begegnet, die zwar klar gesagt haben dass sie auf BDSM stehen, doch tatsächlich ausleben taten es die wenigsten. Ich persönlich denke, für die meisten Männer besteht einfach die Faszination der Kontrolle – mit einer willigen Frau tun und lassen können was sie wollen. Doch wenns dann wirklich zur Sache gehen sollte, trauen oder können’s viele dann doch nicht. 

Was überhaupt nichts negatives ist – denn BDSM fordert vom sogenannten Dom oder auch Top einiges an Wissen, Feinfühligkeit und Vertrauen. Und dafür musst du bereit sein. Sonst lässt man lieber die Finger davon, denn die Erfahrung wäre für beide Seiten nicht schön. Speziell für einige Spielarten ist für den Part des Doms auch ein Hang zum Sadismus eine klare Bedingung, denn sonst verfliegt die Lust im Schlafzimmer ganz ganz schnell. Und:

Es ist ein massiver Unterschied, ob sich jemand mit der Fantasie anfreunden kann eine Frau zu schlagen – oder das dann tatsächlich auch übers Herz bringt.

Denn im Herzen sind Männer doch manchmal echte Softies, oder?  

Jaaa und dann gibt’s da noch die andere Seite – wenn ein Dom sich nicht langsam mit der Sub vorarbeitet sondern in riesigen Schritten vorprescht. Dann kommt’s schnell zur Überforderung, Grenzen werden übertreten und die Erfahrung ist alles andere als schön. BDSM bedeutet also auch, vollkommen ehrlich zu sein, Dinge im vornherein ganz klar abzusprechen, denn nur so kann das Spiel auch tatsächlich für beide Seiten wunderschön sein.

Nun denn, legen wir los.

Das Vorspiel beginnt ganz normal. Er küsst dich, seine Hände wandern über deinen Körper. In deinem Bauch spürst du das Ziehen, die Lust und Vorfreude auf das, was kommt. Ihr seid sanft zueinander und geniesst den Moment. Und irgendwann, denn das Zeitgefühl hast du längst verloren, merkst du, wie die Stimmung umschlägt. Das Machtgefälle steigt, und du merkst, wie er nach und nach die Kontrolle übernimmt.
Er legt dir die Augenbinde um, und sofort denkt dein Körper um. Nicht mehr sehen, nur noch hören und fühlen. Alles ist intensiver, da du dich mehr und mehr auf die Sinne konzentrierst, die dir noch bleiben. Seine Hände sind nicht mehr ganz so sanft wie zuvor, er packt deinen Körper nun härter an. Die Nippel werden nicht mehr gestreichelt, sondern er drückt fester zu. Zwirbeln, drehen – nach und nach spürst du, wie du an die Grenze kommst, an der es nicht mehr angenehm ist, sondern Richtung Schmerz geht. Langsam arbeitet er sich vor.

Und plötzlich wandelt sich das schmerzhafte Gefühl. Was du gerade eben noch als schmerzhaft empfunden hast, spürst du nun nicht mehr. Und innerlich bettelst du nach mehr. Du willst es fühlen, du willst deinen Körper spüren. Plötzlich reichen dir die Hände nicht mehr – und er spürt, dass du angekommen bist.
Zuerst kommt die Klemme an den einen Nippel – ein Stich schiesst durch dich hindurch. Ist es zuviel? Wenige Sekunden vergehen und plötzlich ist auch diese Grenze überwunden. Die zweite Klemme spürst du fast nicht, aber du kannst fühlen, wie die Kette dazwischen über deinen Oberkörper streicht.
Nun kommt das schwierige: Denn während er dich fesselt, musst du dich darauf konzentrieren, in deinem Flow zu bleiben. Fällst du aus dem Rahmen, dann ist der Schmerz an deinen Brüsten übermächtig und zuviel. Dann schmerzt es einfach nur. Das Seil windet sich nach und nach um deine Handgelenke, die auf dem Rücken liegen. Sanft legt er es um deine Kehle und schnürt es auf deinem Rücken fest. Du testest die Grenzen aus, spürst, dass es anliegt, dir aber nicht den Atem raubt. Dennoch spürst du den Druck deutlich an deinem Hals.

Du wirst auf den Bauch gedreht, die Knie aufgestützt. Eine Position, die alles von dir offenlegt. Vielleicht verschwendest du kurz einen Gedanken daran, wie das wohl aussehen mag, doch in dem Moment wenn er dich berührt ist es um dich geschehen.
Ab diesem Zeitpunkt beginnt ein Wechselbad zwischen sanften Strichen und sich langsam aufbauenden Schlägen. Was sich gerade eben noch ein wenig schmerzhaft angefühlt hat, fühlt sich nun wie eine normale Berührung an. Nach und nach schaukelst du dich hoch, bis zu einem Moment, an dem du jegliches Gefühl für Raum und Zeit verloren hast. Du denkst nicht mehr, du fühlst nur noch. Du fliegst – steigst immer höher – bis er entscheidet, dich fallenzulassen. Dir erlaubt, dich fallen zu lassen.

Und genau dieses eine Gefühl, auf diesen Flug arbeitest du hin, meine liebe Leserin. Dieses ohnmächtige Gefühl, vollkommen die Kontrolle abzugeben, vollkommen ausgeliefert zu sein und keinen Gedanken mehr fassen zu können. Auf diese spezielle Lücke zwischen Raum und Zeit, denn du spürst dich selbst nicht mehr. Sämtliche Grenzen, die es normalerweise geben würde, sind ausser Kraft gesetzt. Ein unglaubliches Gefühl, dass man beinahe nicht beschreiben kann. Sex fühlt sich in diesem Moment total anders an als sonst – denn du spürst weit mehr, als du je überhaupt für möglich gehalten hast.

Nach einem intensiven Orgasmus kommt der Moment, in dem es schnell gehen muss: Die Fesseln lösen und das Unangenehme: Die Klemmen an deinen Brüsten entfernen. Wenn das Blut wieder durchfliessen kann schmerzt es, aber keine Sorge, das hält sich nur einige Sekunden. Dann hast du’s überstanden. 

Was danach einsetzt ist eine tiefe Befriedigung, Glücksgefühle und vollkommene Sorglosigkeit. Ein Gefühl, dass ich persönlich zu den Schönsten auf dieser Welt zähle.

Natürlich kannst eine solche Session beliebig ausbauen. Denn wenn ihr gemeinsam kreativ seid und eure Sexualität auslebt, dann findet ihr auch nach und nach heraus, was euch zusagt und was nicht.  Du kannst auch deine Wünsche während eurem Spiel äussern, denn sprechen ist ja schliesslich nicht immer verboten. Kann aber sein dass er nicht danach handelt – denn wenn er dich genug gut kennt weiss er wo deine Grenzen liegen. 

Wichtig ist: Teil es deinem Partner mit, wenn etwas zuviel ist. Denn was viele nicht begreifen: Der Top hat zwar Kontrolle und die Dominanz – doch alles steht und fällt mit dem Bottom. Ihr habt die Macht, in einem Ernstfall jederzeit zu unterbrechen, jederzeit einzugreifen – doch nur wenn es wirklich, wirklich nötig ist.

Und übrigens, falls du dir jetzt denkst dass Schmerzen nichts für dich sind: Es ist tatsächlich so, dass der Schmerz abnimmt, je mehr Lust du empfindest. Wenn du die Nippelklemmen einfach so ausprobierst, dann tut das echt verdammt weh! Ich habs getestet, glaub mir, und ich bin echt ein schmerzempfindliches Sensibelchen ausserhalb vom Bett, haha!

Du siehst, BDSM ist ein weiter Begriff. Es kann leicht sein, man kann sich aber auch tiefer einarbeiten. Manche geben ja die Kontrolle nicht nur im Sexleben ab, sondern im gesamten Leben. Es muss nicht zwangsläufig mit Rollenspielen wie Schulmädchen und Lehrer zu tun haben – manchen sagt das Schauspielern einfach nicht zu. Es muss nicht immer mit Sextoys ergänzt werden – eure Körper sind auch Instrument genug. Es muss aber auch nicht immer so harmlos sein wie das Beispiel hier – denn nach und nach wirst du lernen, dass die einzige Grenze in deinem Kopf ist.

Aufs Grenzen sprengen und fliegen!

Cheers, Anna

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